„Ortskern soll Visitenkarte werden“

In diesem Jahr steht die Kommunalwahl an. In einer Interviewserie der IVZ kommen vor der Wahl die Vorsitzenden aller drei Parteien zu Wort, die im Recker Gemeinderat vertreten sind. Im ersten Teil äußert sich der Vorsitzende des KBR, Ludger Schröer, zu den Zielen des KommunalBündnis Recke:

Foto Ludger IVZ

RECKE. Ludger Schröer (50) ist Vorsitzender des Kommunalbündnisses Recke (KBR), das bei der Kommunalwahl 2009 mit 33,9 Prozent die absolute CDU-Mehrheit brach. In einer Interviewserie dieser Zeitung kommen zu Beginn des Wahljahres 2014 die Vorsitzenden aller drei Parteien zu Wort, die im Gemeinderat vertreten sind.

Herr Schröer, als Hauptziel hat das KBR ausgegeben: „Absolute Mehrheit der CDU verhindern!“ Müssten Sie nicht eigene Inhalte in den Vordergrund stellen, statt sich so sehr auf einen Gegner zu fixieren?

Ludger Schröer: Die von der CDU angestrebten 54 Prozent würden einen Rückfall in alte Recker Verhältnisse bedeuten und die Fortsetzung der erfolgreichen Politik der letzten fünf Jahre gefährden. Das KBR wurde als politisch und wirtschaftlich unabhängige Wählergemeinschaft in den Rat gewählt. Damit wurde der Grundstein für eine neue politische Kultur gelegt. Politischer Wettbewerb funktioniert am besten ohne absolute Mehrheiten, weil solche Verhältnisse oft zu Hinterzimmerpolitik und Vetternwirtschaft führen.

Als es um den neuen Edeka-Markt ging, haben Sie auf ein umfassendes städtebauliches Konzept gepocht. Die anderen Fraktionen wollten hingegen schnelle Ergebnisse liefern. Was ist daran falsch?

Schröer: Bei der Edeka-Erweiterung und anderen baulichen Maßnahmen wurde immer nur eine Einzelfallbetrachtung vorgenommen. Stattdessen hätte ein Entwicklungsplan von der Straße Im Winkel bis zu Verfahrts Hof erstellt werden müssen, der Rahmenbedingungen für die Architektur- und Grünflächengestaltung festgelegt hätte. Mit diesem nachhaltigen Konzept hätte man potenziellen Gewerbeinvestoren wie Rossmann, Aldi oder Müller ein interessantes Angebot machen können. Der Ortskern muss zur Visitenkarte Reckes werden. Stattdessen entsteht nun ein eher unattraktiver Gebäudekomplex. So kann Recke nicht im Wettbewerb mit den Nachbarkommunen punkten.

Um zu sparen, hat Recke die nächtliche Straßenbeleuchtung abgeschaltet. Sie wollen das rückgängig machen. Warum wollen Sie den Weg der Haushaltskonsolidierung verlassen?

Schröer: Aufgrund unseres Antrags wurden alte Quecksilberdampflampen durch Energiesparlampen ersetzt. Der Sparerfolg war so groß, dass die Investitionskosten bereits nach etwa einem Jahr wieder erwirtschaftet wurden. Diesen Weg wollen wir konsequent fortsetzen. Es muss auch berücksichtigt werden, dass durch die Abschaltung die Lebensqualität der Recker massiv leidet. Aus vielen Gesprächen wissen wir, dass das Sicherheitsempfinden gesunken ist.

Sie haben die Verwaltung für ihre Personalpolitik kritisiert, obwohl die Gemeindeprüfungsanstalt (GPA) dem Rathaus attestiert hat, in diesem Bereich sparsam zu haushalten. Was haben Sie konkret auszusetzen?

Schröer: Zunächst möchte ich klarstellen, dass wir zu keiner Zeit Personal entlassen wollten. Wir haben auch unlängst der Übernahme befristet Angestellter und Auszubildender zugestimmt. Uns ist aber wichtig, dass man den haushaltsspezifischen Kontext beachtet. Wir sehen Chancen in dem konsequenten Ausbau der interkommunalen Zusammenarbeit, zum Beispiel im Rechnungswesen, der EDV und der Bildung von Einkaufsgenossenschaften.

Die mögliche Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn beschäftigt viele Menschen in Recke. Bisher ist das KBR den Bürgern hierzu eine Aussage schuldig geblieben. Wann zeigen Sie klare Kante?

Schröer: Für uns gibt es fünf Muss-Voraussetzungen: Die Nordbahn darf Recke finanziell nur in einem vertretbaren Maß belasten, sie muss einen volkswirtschaftlichen Nutzen nachweisen, die Infrastruktur – Haltestellen, Zubringerverkehr, Umsteigemöglichkeiten, Parkplätze – muss sichergestellt sein, die Sicherheit der Anlieger muss garantiert sein und die Lärmbelastung im Rahmen bleiben. Andererseits droht Recke der endgültige Verlust der Schienenanbindung, einem wichtigen Element der Verkehrsinfrastruktur. Diese Chance darf nicht leichtfertig vergeben werden. Im Vergleich zu Ibbenbüren, Hörstel und Westerkappeln, die über Autobahn- und Bahnanbindung verfügen, hat Recke außer Landstraßen nichts zu bieten.

2009 haben Sie mit fast 34 Prozent einen Sensationserfolg verbucht. Welches Resultat ist 2014 realistisch?

Schröer: Wir orientieren uns an dieser Zahl. Die Messlatte liegt hoch, aber ich glaube, wir haben gute Chancen.